Hauptmenü
High im Dezember -
Nasdarovje, chleb, kadoschga - und das große, schreckliche TABUWORT
("Wisch wasch, wisch wasch, Brubadschigidong" = unverfängliche RocknRoll-Textfragmente von BAP und Schwoißfuaß)
Zuerst zum vermeintlich Einfachen, Schönen ... zum hippen Wort: "High", das so salopp in der Begrüßung auftaucht ...
Es gibt ja, wie jeder Apotheker unter uns weiß, eine rein drogentechnologische Bedeutung von "High". Aber es gibt neben schnödem Schnaps ja auch das High der "Hochgefühle", des schönen "Vergnügens". Das allergrößte "High" erlebt man mit den für uns Menschen allertollsten Gefühlen, und Sex ist nur das eine davon.
Das andere allertollste Gefühl ist nämlich immer dann, wenn es um dich selbst geht: "i han`s wieder alle zoigd". Oder: "Gugg, s' isch genauso komma, wia i 's wella han". Aber auch: " I frai me scho druff, wenn e den mol alloi vrwisch". Das Hochgefühl hier nur existiert als ein Gefühl der Niedertracht (z.B. Rache) und/oder der Bestätigung eines eher rücksichtslosen Egos.
Der Mensch ist deswegen high (glücklich?/ euphorisch/ zufrieden?), weil er besonders schlau, heimtückisch grausam, besonders klug, hinterfotzig oder weitsichtig war. Das ist äffisch. So gemein sind nämlich schon die Menschenaffen, um die nachbarliche Nähe zu uns Menschen noch deutlicher zu machen. Es ist z.B. die einzige Art, die Sex macht wegen dem Vergnügen und Fortpflanzung quasi nur in Kauf nimmt. Die anderen Tiere machen meistens Sex wg. der Fortpflanzung, was ja irgendwie auch Sinn der Sache ist, wie wir alle wissen, oder? Ein Wolf, und zwar nur das Alpha-Tier, hat vielleicht 2 mal im Jahr Sex (Was denkst du jetzt, einsamer Wolf? Do willsch vielleicht doch liabr a Äffle sei, gell).
Aber so wird den Wölfen zumindest das erspart, was uns Affen jedes Frühjahr widerfährt. Dass ganze Schwärme von nach Otter riechenden pickligen Pupertierenden urplötzlich neu in die Diskotheken strömen, um, wie seit Generationen, einsam und verloren sich in die halbdunklen Ecken stellen (sorry, Jungs, aber ich weiß wovon ich rede, aber Georg auch).
Ein "High" kann natürlich auch mit "ächden" Drogen erzeugt werden. Machen wir uns nichts vor, wir kämpfen alle mit der Tatsache, dass Alkohol oder anderes Dämpfmaterial uns zeitweise zu einer Form von anspruchsloser Glücklichkeit verhilft. Aber wir sollten dann irgendwo im dubbeligen Hintergrund zumindest ahnen, dass morgen wieder ein neuer Tag in einer hoch-zivilisierten Welt unsere gesamte Aufmerksamkeit erfordert.
Da hilft es auch nicht zu fragen, warum wir Menschen genetisch zu diesen Räuschen fähig sind. Man sagt sich: es muß doch verdammt nochmal einen Sinn geben, warum mich dieser Vollrausch glücklich macht. Aber es ist wahrscheinlich bloß die "Sinn"-Gebung der Alkoholiker und nicht ihrer Lebenspartner und Kinder. Wenn es um das Thema "Volksdrogen" geht, wird gerne kollektiv geschwiegen. Z.B. das Tabu zum Thema Nikotin. Was passiert eigentlich? Wir lassen uns von einer Industrie Zigaretten verkaufen, die uns süchtig und krank machen. Dafür muss der Zigarettenhersteller uns wieder etwas von unserem Geld zurückgeben (Steuern), damit wir unsere Beinamputation bezahlen können. Irgendwie doch höchst schräg, oder? Die Maßstäbe stimmen nicht. Über die "Behandlung", bzw. Tabuisierung von bestimmten Hanfpflanzen will ich da gar nicht sprechen.
Schlimmere selbstauferlegte Tabus gibt es nur noch im rein symbolischen Bereich. Im Bereich des Begriffes, des Wortes, der Bedeutung, des Klanges. Mehr noch: Im Bereich des UNAUSSPRECHLICHEN. Nein, nicht so Aussagen wie "Gott ist tot" oder "Du Sohn einer Gurke" sind hier die schlimmsten Tabus. Das schlimmste ist immer noch komischerweise das Wort "Scheiße".
Meine 4-Jährigen Frühgequälten sagen sofort, wenn mir dieses Wort rausrutscht: "Das sagt man nicht". Und keine Chance der Erwiderung meinerseits. Das ist wie Granit, unglaublich. Wenn jeder täglich das tut, was er sowieso tun muss, nämlich - sagen wir mal - "sein Geschäft verrichten", dann geht's ihm doch einmal am Tag richtig gut, seien wir ehrlich. Er erleichtert sich. Ihm ist auch klar, dass das, was oben reingestopft wird, unten wieder rauskommen muss, sonst wird er irgendwann tot. Das weiß Angela, Barrack, Bohlen und Berthold. Das wird nicht diskutiert. Trotzdem muss er dieses Wort, das diesen wunderbaren natürlichen Vorgang beschreibt, unausgesprochen lassen. Er muss ANGST haben vor solchen Wörtern. Es darf ihm nicht über die Lippen kommen, SONST ...? Na was denn, was sonst? Niemand weiß das so richtig. Schade. So bleiben nur lästige, unangenehme, "schreckliche" AUSDRÜCKE, so belastend, dass es schon Schmerzen bereitet. "MORALISCHE" Schmerzen irgendwie. Aber es ist noch schlimmer - niemand will das Thema, niemand möchte sich damit wirklich befassen. Außer - naturellement - die Grachmusikoffs , die sich solche Tabus immer schon ganz entspannt anschauen, auch wenn diese sie noch immer ziemlich verspannen. Wie hieß es schon im Balinger Jugendhaus anna Zwoiaachzg auf selbstgemachten T-Shirts: "Das Leben ist hart - wir sind härter". Kein Zurückziehen also vor dem Uneinsichtig-Unaussprechlichen, liebe Genossen. Was gäbe es sonst Sinnvolles zu tun in dieser unserer "Zivilisation"? Welche Lieder sollten wir singen? Wes Brot wir essen?
Vielleicht gibt es ja sowas wie eine sozialrevolutionäre Bestimmung, als eine Art Symphonie äffischer "Hoffnung". Vielleicht hoißt's en 200 Johr, Georg Köberlein war der erschde, der das Wort Sch... enttabuisiert hod. Aber, i glaub, mir Seggl, solang mr Affa bleibed, schreibed des Wort "Sch..." au no en 200 Johr mit drei hochbedeutsame Pünktla. Echt dcheiße - vielleicht.
Gruaß Lexe (alias Alexander Köberlein / Grachmusikoff - Anmerkung des Webmasters)
(04.12.10)
Quelle: http://home.arcor.de/grachmusikoff/page/
hier mit Erlaubnis des Verfassers