Hauptmenü
"Father MacKenzie
Writing the words of a sermon that no one will hear;
No one comes near." (Paul McCartney)
Weiß auch nicht, warum so was wie eine monatliche Verpflichtung besteht, hier an dieser Stelle meinen oder Georgs SERMON zu veröffentlichen. Aber das sind wohl außer-künstlerische Gründe, und in diesem Fall ist unser Uli Rettinger (von und zu Web) der CHEF. Er sagt, das sei so was ähnliches wie Kundenpflege, und da dürfe man nicht schludern. Außerdem täte das ja auch dem fetten Alex- oder Georg-Ego gut. Wir sollten uns nicht so anstellen, wenn man sich einmal im Monat wichtig machen dürfe. Also gut.
Zur heutigen Zeit wird in kardiologischen Arztpraxen und Senioren-Schlafzimmern heiß diskutiert darüber, ob es besser sei, bei Impotenz die Betablocker als Verhinderer der Blutgefäßausweitung abzusetzen, und somit das Risiko des früheren Todes, aber nicht anfallender Folgekosten in Kauf zu nehmen. Oder, ob es besser sei, einfach blaue Pillen zu verschreiben. Dies führe auch u.U. früher oder später zum Tod, aber ziemlich schnell und in "schönerer Umgebung". Ha,ha. Manchmal redet man auch darüber, ob der an Alzheimer erkrankte eigentlich "glücklich" ist.
Oder, wie es mit dem freien Willen des an Demenz erkrankten steht. Da hört man ja oft so Sachen wie: "Wenn i nemme will, noch woiss i scho dia Albschlucht, wo i nonderjugg." Aber he - erst mal die Schlucht finden!
Mich betrifft das alles gottseidank nicht, ich habe nur einen engen Hals. Aber aus anderen Gründen. Mir ist was "Blödes" passiert ...
Diese Anzeige im Pfäffinger Dorfblättle auf der Seite FÜR SENIOREN ist der Grund, warum ich schon heute am 31.10.11 derart pamphletisiere. Ich muß ÜBEN. Ich hatte nämlich letzten Montag mit dem Jörg Beirer, dem Poltringer Künstler, der auch immer unbedingt ein Notizbuch mitführen muss, ziemlich nett rumphilosophiert. Wir saßen in der Pfäffinger "Traube", und ich brabbelte etwas angetrunken, früh um halb Zwölf, wohl folgenden, verhängnisvollen Satz:
"O isch des schee, i glaub mir sodded einen Verein gründen :'Erschder Anarcho-Atheistischer Chrischdlicher Altenclub Pfäffingen, kurz 1. AAC".
Wohlwollend wissend, dass mit dieser nichtssagenden wie verwirrenden Aufzählung von Ideologien und Geisteszuständen, notfalls auch der Pfarrer, mein Nachbar, nicht ausgegrenzt wäre. Und Beirer, der Seckel, schreibt alles auf: "Des kommt ens Blättla am Doschdig". Und so geschah es ...
Aber, da mir das vorgegebene Thema etwas zu wenig tiefschürfend erscheint, wenn ich es so betrachte, möchte ich den Leuten, die heute Abend evtl. kommen, echt mal reinen Wein einschenken. Ich werde sie verwirren, habe ich mir vorgenommen, da wird der Apfelmoschd sauer, gsoffa oder ogsoffa, egal wieviel Birnen er verträgt. Aber die Pfäffinger Mostbauern, die werden auch kommen heute. Die werden, wenn es blöde läuft, diesen kleinen philosophischen Kreis sprengen wollen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Geht es um "Obschd", "Moschd" oder Bäume-Schneiden, kommen immer ne Menge ältere Typen mit Hut und Feldjacke. Und sie werden die Diskussion an sich reißen wollen. Aber sie werden über die Birnen-Frage in Abhängigkeit der Apfel-Frage nicht hinaus kommen. Sie werden sich zwar streiten über: "Was gibt den kapitaleren Rausch - Äpfel mit Birna, oder Birna mit Äpfel". Sie werden sich Ereifern über "Schlürfa oder nakippa", oder ob ein Maische-Wickel "besser isch fr Broschdada ond Bomp" als ein schon länger "stehendes" Maische-Restgetränk. Aber ich werde sie schließlich überrumpeln mit solch absurden Fragen wie: "Was isch, wenn sowohl als au Äpfel ond Birna fehled?" Oder: "Woiss Gott überhaupt, wo dr Bartl dr Moschd holt?" Die Diskussion über Alkoholgehalt und Vollrauschgrenze wird jäh enden. Wenn Gott ins Spiel kommt ist meistens alles aus. Es wird ziemlich ruhig werden in der "Traube".
Und tatsächlich wird alles andere sowieso dann unwichtig, wenn die finale Frage aller Alkoholiker gestellt wird: "Warum hat Gott uns überhaupt das Geschenk des Rausches beschert?" und "Hat ER uns denn nicht nach seinem Antlitz erschaffen?" Wir werden darüber reden und trinken, diskutieren und streiten, lallen und kippen. Die Moschdbauern, die Künschdler, die Suchenden ...
Aber um halb Elf etwa, werde ich in weiser Selbsterkenntnis vor mich hinmurmeln: "En dr Stoizeit hod ma de Bsoffene hegmachd, weil se d'Jagd vrmasselt hend".
Dann ist es Zeit für mich nach Hause zu gehen. Ich habe ja nicht weit, und auch noch nichts wirklich vermasselt ...
Und ich werde zufrieden sein, weil ich wieder weiß, dass nichts unsinnig, aber auch NICHTS ohne Sinn. Bis zom nägschda Mondag, en dr Traube ...
Gruaß Lexe
(01.11.11)
Autor: Alexander Köberlein, Grachmusikoff -- hier mit Genehmigung